WEG-Verwaltung – Aufgaben, Pflichten und rechtlicher Rahmen
Die Verwaltung einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) umfasst deutlich mehr als die Erstellung der Jahresabrechnung. Sie ist rechtlich im Wohnungseigentumsgesetz (WEG) geregelt und bildet das organisatorische und wirtschaftliche Fundament einer funktionierenden Eigentümergemeinschaft. Eine ordnungsgemäße Verwaltung dient nicht nur der laufenden Organisation, sondern auch dem langfristigen Werterhalt des gemeinschaftlichen Eigentums.
Gesetzliche Grundlagen der WEG-Verwaltung
Das Wohnungseigentumsgesetz regelt, dass Wohnungseigentümer einen Anspruch auf eine ordnungsgemäße Verwaltung ihres gemeinschaftlichen Eigentums haben. Dieser Anspruch umfasst sowohl organisatorische als auch wirtschaftliche Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Gemeinschaft funktionsfähig zu halten.
Zu den wesentlichen Aufgaben zählen insbesondere die Aufstellung eines Wirtschaftsplans sowie die Erstellung der Jahresabrechnung (§ 28 WEG). Darüber hinaus gehört die Erhaltung des gemeinschaftlichen Eigentums zu den Kernpflichten einer WEG.
Seit der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes können Eigentümer zudem unter bestimmten Voraussetzungen die Bestellung eines zertifizierten Verwalters verlangen (§ 26a WEG). Ein zertifizierter Verwalter weist durch eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer nach, dass er über die erforderlichen rechtlichen, kaufmännischen und technischen Kenntnisse verfügt. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Beitrag zur zertifizierten WEG-Verwaltung.
Organisation der Eigentümerversammlung
Die Eigentümerversammlung ist das zentrale Beschlussorgan der WEG. Der Verwalter ist für die ordnungsgemäße Einberufung und Durchführung verantwortlich (§ 24 WEG).
Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere:
- fristgerechte Einladung
- Erstellung der Tagesordnung
- ordnungsgemäße Durchführung der Versammlung
- Protokollierung der Beschlüsse
Beschlüsse müssen ordnungsgemäß zustande kommen, um Anfechtungen zu vermeiden. Formale Fehler können zur Ungültigkeit führen und erhebliche rechtliche sowie wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Die Fassung rechtssicherer Beschlüsse ist daher ein zentraler Bestandteil der Verwaltertätigkeit.
Wirtschaftliche Verwaltung und Rechnungsführung
Neben der Beschlussorganisation trägt der Verwalter die Verantwortung für die laufende wirtschaftliche Betreuung der Gemeinschaft.
Hierzu gehören:
- Verwaltung der Gemeinschaftskonten
- Prüfung und Begleichung von Rechnungen
- Überwachung von Zahlungseingängen
- Erstellung der Jahresabrechnung gemäß § 28 WEG
Die Jahresabrechnung ist eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung der Gemeinschaft für das abgelaufene Wirtschaftsjahr. Sie stellt die tatsächlich angefallenen Kosten den im Wirtschaftsplan vorgesehenen Ansätzen gegenüber und bildet damit die Grundlage für die Ermittlung der sogenannten Abrechnungsspitze, also etwaiger Nachzahlungen oder Guthaben der einzelnen Wohnungseigentümer. Sie muss rechnerisch zutreffend und für die Eigentümer nachvollziehbar aufgebaut sein, damit die wirtschaftliche Situation der Gemeinschaft transparent dargestellt wird.
Erhaltungsmaßnahmen und Instandhaltung
Die ordnungsgemäße Erhaltung des gemeinschaftlichen Eigentums gehört zu den Kernaufgaben der WEG-Verwaltung (§ 19 Abs. 2 WEG).
Der Verwalter übernimmt dabei unter anderem:
- Einholung von Angeboten
- Koordination von Handwerkern
- Überwachung der Durchführung
- Abrechnung der Maßnahmen
Eine vorausschauende Planung und strukturierte Umsetzung tragen dazu bei, größere Schäden und unnötige Kosten zu vermeiden.
Vertretung der Gemeinschaft
Der Verwalter vertritt die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer gerichtlich und außergerichtlich (§ 9b WEG). Er handelt im Namen der Gemeinschaft, etwa beim Abschluss von Wartungs- oder Dienstleistungsverträgen, bei der Beauftragung von Handwerksunternehmen oder bei der Durchsetzung offener Hausgeldforderungen.
Diese gesetzliche Vertretungsbefugnis bedeutet, dass Erklärungen und Handlungen des Verwalters unmittelbare Wirkung für die Gemeinschaft entfalten. Entscheidungen im laufenden Verwaltungsalltag betreffen somit nicht nur organisatorische Abläufe, sondern können auch wirtschaftliche und rechtliche Auswirkungen haben.
Gleichzeitig ist der Verwalter an die Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft gebunden. Maßnahmen von größerer wirtschaftlicher Bedeutung bedürfen einer entsprechenden Beschlussgrundlage. Die Tätigkeit erfordert daher neben organisatorischem Geschick auch ein sicheres Verständnis der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten innerhalb der Gemeinschaft.
Fazit
Die WEG-Verwaltung ist ein komplexer Aufgabenbereich mit klar definierten gesetzlichen Grundlagen. Sie umfasst organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte, die eng miteinander verzahnt sind.
Eine strukturierte, transparente und rechtssichere Verwaltung dient nicht nur der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, sondern trägt maßgeblich zur Stabilität und zum Werterhalt einer Wohnungseigentümergemeinschaft bei.

